Zum Nachdenken möchte ich eine
Passage aus M.A. Nexös Roman „Ditte Menschenkind“
hier vorstellen
„Es gibt Milliarden Sterne im Himmel
und – soviel man weiß – Milliarden Menschenwesen
auf der Erde. Gleichviel von beidem! Da sollte man
fast glauben, die Alten hätten recht, die meinten,
jeder Mensch werde unter seinem Stern geboren.
Jede Sekunde stirbt ein Mensch.
Ein Licht erlischt, um nie mehr angezündet zu werden.
Ein Stern, der vielleicht ungewöhnlich schön
gebrannt, der jedenfalls sein eigenes nie gesehenes
Spektrum gehabt hat. Ein Wesen, daß vielleicht
Genialität, vielleicht Güte um sich ausgestreut
hat, verläßt die Erde. Das nur einmal
Geschehene – das Wunder, das Fleisch und Blut ward –
hört auf zu sein.
Kein Mensch war eine Wiederholung
anderer oder wird selbst wiederholt werden. Jedes Menschenkind
gleicht den Kometen, die nur einmal in aller Ewigkeit
die Bahn der Erde berühren und eine kurze Spanne
Zeit ihren leuchtenden Weg über ihr dahinziehen
- ein Phosphorizieren
zwischen Ewigkeiten von Finsterniss!“
Ja – jedes Menschenleben, mit seiner
Vielzahl an schönen und schweren, freudvollen und
schmerzlichen, erfolgreichen und bedrückenden Stunden
ist einmalig und unwiederbringlich.
So einzigartig und unwiederholbar wie auch dieses
zu Ende gegangene Menschenleben in seiner Gesamtheit
war, so unwiederholbar ist auch jeder Augenblick, jede
Sekunde unseres Daseins. Und so schwingt neben den vielen
Gedanken und Gefühlen, die uns in dieser Abschiedstunde
bewegen, zugleich die Frage mit, ob es jedem von uns
gelingt, die unwiederbringlichen Stunden so zu nutzen,
daß sie kleine Bausteine sind an dem vollendeten
Gebäude eines menschenwürdigen und erfüllten
Daseins.
So schwingt neben den vielen Gedanken und Gefühlen,
die uns in dieser Abschiedsstunde bewegen, zugleich
die Frage mit, ob es jedem von uns gelingt, die unwiederbringlichen
Stunden zu nutzen.
Jeder von uns muß diese Frage für sich
allein beantworten, vielleicht aber hilft uns der Rückblick
auf das Leben und Wirken der/des Verstorbenen eine Antwort
zu finden. |